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Freizeit

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Der Begriff "Freizeit" entstand mit der Industrialisierung und ist erst seit dem ausgehenden 19. Jh. in der deutschen Sprache gebräuchlich. Eine erste Umschreibung seiner Bedeutung stammt von Karl Marx, der die freie Zeit als die Zeit für das Individuum bezeichnete, das dadurch "in ein andres Subjekt verwandelt" werde.

Freizeit ist in diesem Verständnis die arbeitsfreie Zeit und sie wird auch heute noch so gemessen. So stellte das Statistische Bundesamt im Jahre 2006 z. B. fest, dass die Deutschen im Durchschnitt jeden Tag 156 Minuten den Fernsehapparat nutzen, 160 Minuten Radio hören (als Begleitmedium), 49 Minuten im Internet surfen, 22 Minuten Zeitung lesen, 15 Minuten Zeitschriften lesen und 10 Minuten Bücher lesen. Jedes Jahr gehen die Deutschen 20,2 Mio. Mal ins Theater und 12,4 Mio. Mal zu einem Spiel der Fußball-Bundesliga. Und immerhin weiß man, dass noch mehr Menschen zu den Gottesdiensten der Kirchen gehen, als zu Fußballspielen.

Dennoch beklagen sich viele Menschen darüber, dass sie zu wenig Zeit haben, und dies obwohl die Arbeitszeiten in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter verkürzt wurden. Die Gründe hierfür liegen in einem inoffiziellen Anstieg der Arbeitszeit (Überstunden, Fahrten zur Arbeits- oder/und Einsatzstelle, Bereitschaftszeiten). Daneben hat sich der Umgang mit Zeit in Folge neuer Technologien (Computer, Mobiltelefon) verändert. Es wird nun versucht, mehr gleichzeitig zu machen und so die Produktion und den Umsatz zu erhöhen. Hierdurch entsteht mehr Streß in der Arbeitszeit. Ein weiterer Grund ist, dass mehr und mehr kostenfreie Serviceleistungen für Verbraucher wegfallen und nun von diesen selbst übernommen werden. So wurde z. B.das Ausfüllen einer Banküberweisung früher am Schalter kostenlos miterledigt, heute füllen wir die Banküberweisung selbst zu Hause aus oder überweisen sie per Internet. Ein weiteres Beispiel sind die Mitnahmemöbel, die in zeitraubender Selbstmontage zu Hause zusammengefügt werden müssen. Durch diese Verlagerungen wird heute jeder Mensch gezwungen, viel zu tun und viel zu lernen.

In der dann noch als eigentliche Freizeit erlebten Freizeit wollen die Menschen dann noch oft mehr erleben als zuvor und so kommt es dann zum Freizeitstress. Um diese Menschen konkurrieren die neu geschaffenen Erlebniswelten, die sich "die Wiederverzauberung der Welt durch den Konsum" zum Ziel gesetzt haben. Sie operieren an der Schnittstelle von Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Konsum, Sport und Tourismus (z. B. die Autostadt Wolfsburg). Jedoch buhlt seit einigen Jahren ein weiteres Marktsegment um die stressgeplagten Freizeit-Verbraucher: die Wellness- und Fitness-Industrie. Sie hat es verstanden, ein neues Gesundheits- und Wellness-Bewußtsein zu wecken, dass zu einem Wachstumsmarkt geführt hat.

Eine neue Perspektive der Freizeit hat sich im Rahmen der Armutsforschung in Deutschland gezeigt. Als eines der wichtigsten Ergebnisse ihrer Untersuchung der Lebensbedingungen von Kindern in Deutschland stellten die Forscher den engen Zusammenhang zwischen dem "Spaß-Bereich" Freizeit und dem "Ernst-Bereich" Schule heraus. Kinder, die sehr vielfältige Freizeitbeschäftigungen angeben, schätzen ihre Bildungsperspektiven auch als sehr gut ein. Vielseitig bedeutet hierbei z. B. sportliche Aktivitäten, basteln, musizieren, Ballett bei mäßigem Gebrauch elektronischer Medien wie Fernsehen oder Computer. Dem steht ein eher passiver Freizeittyp mit hohem Fernseh- und Videokonsum gegenüber. Bei letzterem wurde eine niedrigere Bildungsmotivation und eine niedrige Selbsteinschätzung der Bildungschancen festgestellt.

Arme Kinder gehören überdurchschnittlich häufig zum "passiven Freizeittyp". Sie haben weniger Erfolg in der Schule, fühlen sich dort seltener wohl und klagen öfter über Isolation und fehlende Freunde. Neben dieser sozialen Schichtung gibt es jedoch ein Gefälle zwischen den Geschlechtern. Mädchen gehören zu den aktiveren Freizeitgestaltern als Jungen.

So hat Freizeit viele Facetten und ist ständigen Wandlungen unterworfen und könnte - so wie sie mit der industriellen Arbeit entstanden ist - mit der Wandlung der Arbeit in eine postindustriellen Gesellschaft schließlich durch andere Lebensäußerungen abgelöst werden. Eine dieser Möglichkeiten ist vielleich schon im Entstehen: Das Spiel. Seine Bedeutung wurde bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von dem Historiker Johan Huizinga erkannt.

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