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Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Häuser in ihrer primitivsten Form waren frühere Zeugnisse menschlicher Kultur als irgendeine Art von Töpferware. Während die aktiven Männer und Frauen der Jungsteinzeit als Jäger und Sammler die Wälder durchstreiften bestand für die Jugend, die Kranken und Alten doch das Problem einer sicheren Behausung, in der sie liebevoll gepflegt werden konnten. So waren die ersten festen Behausungen, die in Mesopotamien gefunden wurden aus einfachen Erdlöchern, deren Wände von der Sonne hart gebrannt wurden. Auch in den späteren bäuerlichen Kulturen blieben die Wohnverhältnisse eher primitiv. So waren im Griechenland des 4. Jahrhunderts Häuser lediglich leichte Bauten aus Holz und luftgetrocknetem Lehm. Die Mauern waren so dünn, dass ein Einbrecher am einfachsten ein Loch durch die Wand grub. Mit dem allmählichen Wandel einzelner Dörfer zu Städten und der damit verbundenen sozialen Schichtung der Bevölkerung entwickelten und differenzierten sich auch die Wohnverhältnisse. Auf anschauliche Weise zeigen sich die Ergebnisse dieser Entwicklung im antiken Rom. Eine Oberschicht, bestehend aus etwa 1800 Patrizierfamilien lebte in großen palastartigen Besitzungen mit weitläufigen Gärten und Häusern, die eine große Zahl von Freigelassenen und Sklaven beherbergten. Die Angehörigen der Mittelschicht wohnten in Miethäusern, für die hohe Mieten gezahlt werden mußten. Die große Masse des Proletariats jedoch lebte in etwa 46 000 Mietskasernen, den Insulae. Der Bau dieser Insulae war ein Spekulationsgeschäft, aus dem betrügerische Bauunternehmer und profitgierige Hauseigentümer riesige Gewinne zogen.

Die menschenunwürdigen Wohnverhältnisse in Rom fanden zwar unter den römischen Schriftstellern ihre Kritiker, doch änderte sich an den Verhältnissen nur wenig. So läßt Plutarch Tiberius Gracchus sprechen: "Die wilden Tiere auf dem Felde und die Vögel in der Luft haben ihre Höhlen und Verstecke, aber den Menschen, die für italien kämpfen und fallen, werden nur Licht und Luft als Segnungen zuteil." Überfüllte Häuser wurden schließlich im aufstrebenden Europa von Neapel bis Edinburgh üblich. Erst mit der im 19. Jh. einsetzenden Sozialkritik und der damit verbundenen modernen Stadtplanung wurden die gröbsten Mißstände gemildert.

In seiner "Anatomie der menschlichen Destruktivität" schreibt Erich Fromm: "Der Mensch hat im Verlauf seiner Geschichte bis heute kaum jemals in seinem natürlichen Habitus gelebt, mit Ausnahme der Jäger und Sammler und der ersten Ackerbauern bis zum 5. Jahrtausend vor Christus. Der zivilisierte Mensch hat immer im Zoo gelebt, d. h. in einer nur gradmäßig unterschiedenen Gefangenschaft und Unfreiheit, und dies gilt auch noch heute...."

An der Entstehung von Aggressionen sind aus psychologischer Sicht die Wohnbedingungen der Menschen in erheblichem Maße beteiligt. Nicht nur enges Aufeinanderleben Dichtestress, auch fehlende Intimzonen und Handlungsbeengung gehören zu den Ursachen. Die Auswirkungen sind jedoch individuell unterschiedlich. Introvertierte Menschen benötigen z. B. mehr Abstand als Extrovertierte, Europäer mehr als Asiaten, Deutsche mehr als Briten. Dem amerikanischen Anthropologen Dr. Edward T. Hall folgend, der den Begriff Proxemik hierfür prägte, unterscheidet Julius Fast in seinem Buch "Körpersprache" intime Distanz, persönliche, gesellschaftliche und öffentliche Distanz. Untersuchungen der individuellen Distanz-Zone von Gewalttätern, die behaupteten, ihr "Gegner" habe sich mit ihnen angelegt führten zu dem Ergebnis, dass diese Menschen tatsächlich ein bis zu viermal so großes Distanzbedürfnis hatten als normale Probanden.

Die Versorgung mit Wohnraum ist statistisch gesehen in den westlichen Industrieländern kein grundsätzliches Problem. So standen im Durchschnitt jedem Einwohner in Deutschland im Jahr 2006 42,9 qm Wohnfläche zur Verfügung. Jedoch gibt es zwischen ländlichen Räumen und Agglomerationsräumen ein erhebliches Gefälle. Darüber hinaus ist die Wohnraumversorgung einzelner Bevölkerungsgruppen durchaus als prekär zu bezeichnen. Zu diesen Gruppen gehören insbesondere Hartz-IV-Empfänger, alte Menschen und Großfamilien. Die kommunalen Maßstäbe für die Übernahme der Kosten für die Unterkunft bei Hartz-IV-Empfängern führen zu regionalen Unterschieden in der Wohnungsversorgung. Dort wo strenge Maßstäbe angelegt werden, kommt es tendentiell zum Mangel bei kleineren Wohnungen.

Auf Grund der insgesamt sehr differenziert zu betrachtenden Verhältnisse im Wohnungsmarkt gewinnen auch das Wohnumfeld und weiche Kriterien wie die Nachbarschaft und das soziale Umfeld für die Wohnungswahl Bedeutung.

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